Verkehrssicherheitsberater sensibilisieren Schüler der Harkenberg Gesamtschule für Gefahren im Verkehr
Polizeihauptmeister Markus Tappe in der Mensa der Harkenberg Gesamtschule
Hörstel. Verkehrssicherheitsberater Polizeihauptkommissar Markus Tappe klärte mit seinem Team am 21.03. im Rahmen der Initiative Crash Kurs NRW die jungen Verkehrsteilnehmer des Jahrgangs 10 der Harkenberg Gesamtschule Hörstel über Unfallrisiken und Gefahren im Straßenverkehr auf.
Weiße Kreuze, Kerzen und ein Blaulicht schaffen schon zu Anfang der Veranstaltung eine beklemmende Atmosphäre. Nett würde die zweistündige Veranstaltung in der Mensa der Schule nicht, das wurde den Schülerinnen und Schülern schnell klar.
Nach der Begrüßung durch das Team, bestehend aus Polizisten, einer jungen Notfallsanitäterin, Notfallseelsorgern und auch einem Angehörigen eines Unfallopfers, werden in einer Präsentation nacheinander verschiedene Orte mit Kreuzen verstorbener Jugendlicher an Unfallorten im Kreis Steinfurt zur Musik „Geboren, um zu leben“ eingeblendet.
Jedes Jahr sterben allein im Kreis etwa 20 Menschen in Verkehrsunfällen, eine ganze Schulklasse würde ausgelöscht, so Polizeihauptkommissar Markus Tappe aus Rheine. In der Mensa ist es ungewöhnlich still.
Im knapp zweistündigen Vortrag schilderten die verschiedenen Akteure des Crash-Kurs-Teams schonungslos Unfälle mit verheerenden und tödlichen Folgen aus verschiedenen Perspektiven, darunter auch im Video Notarzt und Kreisdezernent für Gesundheits- und Bevölkerungsschutz Dr. Karl-Heinz Fuchs, der an diesem Tag nicht persönlich vor Ort sein konnte. Sie beschrieben den Zuhörerinnen und Zuhörern anschaulich verstörende Bilder, die auch sie immer wieder verarbeiten müssen und für die sie neben gemeinsamen Gesprächen und Supervision ganz individuelle Bewältigungsstrategien entwickelt haben.
Nicht bei irgendeinem Polizisten in so einer kleinen Schublade im Kopf landen
Ein junge Notfallsanitäterin erlebte ihren schlimmsten Einsatz noch in der Ausbildung. Sie bitte immer ihren verstorbenen Großvater, dass er die Bilder der Todesopfer in der Nacht nicht an sie heranlasse. Einer der Polizisten möchte die Schülerinnen und Schüler davor bewahren, „nicht bei irgendeinem Polizisten in so einer kleinen Schublade im Kopf zu landen“.
Grundsätzliche, schnelle und dramatische Änderung unseres Lebens
Besonders eindrucksvoll ist der Umgang eines Vaters mit seinem Verlust. Er schilderte emotional den Tag, als ihm die schlimme Nachricht vom Unfalltod seines Sohnes zuhause überbracht wurde. „An dem Tag, als er mit seinem besten Freund sein Studium beginnen wollte, habe ich seinen Grabstein in Auftrag gegeben.“ Heute hilft es ihm, seinen Verlust zu verarbeiten, indem er junge Menschen vor einem ähnlichen Schicksal bewahren will. Eine Notfallseelsorgerin berichtete von nächtlichen Einsätzen, bei denen sie gemeinsam mit der Polizei Nachrichten überbringen muss, die für die Betroffenen alles verändern, die realisieren müssen, dass ein Platz am Tisch zukünftig für immer leer bleibe.
Das Schlimmste ist die Endgültigkeit, es gibt keine zweite Chance
Der Vortrag soll die Schülerinnen und Schüler vor leichtfertigem Verhalten im Straßenverkehr abschrecken und für Gefahren unangemessenen Verhaltens sensibilisieren. Der Appell des gesamten Teams lautet: Überschätzt euch nicht als Fahranfänger, fahrt nicht übermäßig schnell. Lasst euch nicht vom Handy ablenken. Trinkt keinen Alkohol, wenn ihr fahrt! In Anlehnung an ein Zitat des NRW-Innenministers Herbert Reul mahnten sie: „Bleibt die Vernunft auf der Strecke, dann ist der Tod Beifahrer.“
Im Anschluss zeigte der Gesprächsbedarf vieler Schülerinnen und Schülern, dass die Veranstaltung Eindruck hinterlassen und zum Nachdenken angeregt hat. Eingebettet ist diese Veranstaltung in ein Präventionskonzept der Harkenberg Gesamtschule, das in verschiedenen Jahrgängen altersgerecht z.B. über die Gefahren unreflektierten Medienkonsums aufklärt, aber auch Suchtgefahren in den Fokus rückt.